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Dienstag, 31. Dezember 2013

Rezept für ein gutes neues Jahr





Ich wünsche allen
"en guata Rutsch" 
in ein glückliches 
2014

und 
ein gutes, neues Jahr
oder
ein neues, gutes Jahr.




Für ein erfolgreiches Jahr, 
hilft vielleicht ein Rezept von
Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808), 
Mutter v. Johann Wolfgang von Goethe


"Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so daß der Vorrat für ein Jahr reicht.

Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt.
 Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträusschen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit."



:)

Montag, 30. Dezember 2013






Wer aufhört zu lernen, ist alt. 
Er mag zwanzig oder achtzig sein.

Henry Ford





:)

Sonntag, 29. Dezember 2013







"Dass Leute sterben, ist ja nur das eine. 
Der wahre Tod ist das Vergessen.​"
(Juliette Gréco




:)

Samstag, 28. Dezember 2013




Wer in das Feuer bläst, 
dem fliegen leicht 
die Funken in die Augen

Aphorismus aus China


:)





Donnerstag, 26. Dezember 2013

Das Pferd und der Esel






Das Pferd und der Esel
(Eine Fabel von Herr Oter)

Ein stolzes Pferd trabte ohne Gepäck und Last neben dem mit schwersten Körben und Säcken beladenen Esel her. Auf die Bitte des Esels, das Pferd solle ihm doch helfen und etwas von seiner Last abnehmen, sagte das Pferd:
"Kommt nicht in Frage! Ich bin ein Pferd, kostbar und edel.  Du aber bist ein Esel und somit bloss ein Lastentier."


Auch wenn die geteilte Last für keinen der Beiden mehr, eine Belastung gewesen wäre, so musste der arme Esel, weil untergeortnet, die Last alleine tragen.
Sie wurde ihm aber mit der Zeit zu schwer und der Esel brach zusammen.
Nun musste das Pferd alles, was der Esel getragen hatte, und dazu noch dessen schweren Sattel und das Zaumzeug, alleine weitertragen.

Soweit diese Fabel.
Sie lehrt: Gescheite und weitsichtige Menschen verweigern sich nicht, auch wenn sie von Rang und Ausbildung nicht dazu verpflichte wären.
Sondern der eine hilft dem anderen, man ist ein Team.
Denn jeder kann einmal auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sein.

 ® Copyright Herr Oter, Dezember 2013
für eine Mitarbeiter-Information zum Jahreswechsel



Zwei Esel
Autor: Franz Marc (1880–1916) 
Lizens: Public Domain aus Wikimedia Commons 





;)

Dienstag, 24. Dezember 2013







Ich wünsche Euch allen ganz schöne
 Weihnachtstage



Unser Christbaum 2013







 ;)
 

Sonntag, 22. Dezember 2013

Weihnachten ohne Grossmutter





Weihnachten ohne Grossmutter


 „Du könntest doch heute noch schnell zu Grosi gehen, was meinst Du?“

Adrian sitzt noch etwas müde am Frühstückstisch und stützt den Kopf mit der einen und mit der anderen Hand löffelt er die Frühstücksflocken.
Er hat heute Morgen gar keine gute Laune. Noch immer dauert es Stunden, bis es endlich 'Heiliger Abend' ist. Dabei spricht man  schon seit Tagen von nichts anderem – so kommt es ihm vor – und das macht das Warten noch viel schwerer.
Auch in der Schule drehte sich in den letzten Wochen fast alles nur noch um Weihnachten. Es wurde jeden Tag für das Krippenspiel geprobt, an der Kulisse gearbeitet und die Weihnachtslieder dafür geübt.
Adrian durfte den Josef spielen, weil er gut Texte auswendig lernen kann und Muna, die eigentlich Munawwara heisst, war die Maria. Munawwara heisst übersetzt „die Erleuchtete“, aber Muna spielte natürlich nicht deswegen die Maria. Doch die Lehrerin meinte, dass das Mädchen aus dem Kosovo genau die Richtige wäre, um die Maria zu spielen.
Doch weil Muna Muslimin ist und im Islam Weihnachten keine Bedeutung bei den Festlichkeiten hat, musste die Lehrerin zuerst das Einverständnis der Eltern einholen. Aber ihre Mutter, Frau Mushkulaj, hatte gesagt, dass die Geburt Jesu im Koran auch wichtig sei und man bei ihr Zuhause schon immer auch Maria verehre. Zudem wohne man nun hier und man wolle sich auch anpassen.
Adrian war froh, dass Muna die Maria spielte, denn er mochte sie gut – und schliesslich musste Josef im Krippenspiel, ja auch immer wieder Hand in Hand mit Maria auf der Bühne herumgehen.
In der letzten Woche hatte Adrian dann richtig darauf gefiebert, dass die Aufführung endlich stattfinden wird. Das sei das Lampenfieber, hatte seine Mutter gesagt, auch wenn Adrian bis heute nicht weiss, was diese Anspannung mit einer Lampe zu tun hat.  Dann, am letzten Freitag war es so weit. Endlich fand die Aufführung des Krippenspiels in der Aula statt. Am Nachmittag wurde für die anderen Schulklassen gespielt und am Abend für die Erwachsenen. Seine Eltern waren natürlich auch unter den Zuschauern.
Alles hatte prima geklappt und Josef und Maria erhielten immer wieder Applaus. Das hatte Adrian richtig stolz gemacht und so war er bald auch nicht mehr aufgeregt. Nachher gab es für die jungen Schauspieler noch eine Wurst mit Brot und er setzte sich zu seinen Eltern, die neben den Mushkulaj's in der Aula sassen. Dabei hatte ihn Muna immer wieder so angesehen, so wie Mädchen das eben manchmal tun.

Heute hat er keine Schule mehr, jetzt sind Weihnachtsferien.
Aber warum muss es auch ein ganzes, langes Wochenende und fast den ganzen heutigen Montag über dauern, bis man am Abend nun endlich Weihnachten feiern und die Geschenke ausgepackten kann.
Adrian hat sich ein neues Fahrrad gewünscht und er hätte nur zu gerne endlich gewusst, ob das Christkind es im bringt und welche Farbe es hat. Am liebsten hätte er ein Dunkelblues – Adrian vergeht fast vor Neugier und Vorfreude. Das ist noch fast weniger zu ertragen, als das Lampenfieber.
Seit der Schlussaufführung des Krippenspiels kann er kaum noch an etwas anderes denken, als an die Geschenke. Und nun muss er auch noch zuerst zur Grossmutter ins Pflegeheim und dazu hatte er grad gar keine Lust. Es war doch schon blöd genug, dass sie jetzt dort lag und an der Feier heute Abend zum ersten Mal gar nicht teilnehmen konnte.

„Hey, Adrian, schläfst du noch?“ fragt die Mutter nun und reisst Adrian damit aus seinen Gedanken.
„Nein!“ murmelt der Bub in die Müeslischale.
„Also, was meinst du nun dazu? Wegen der Aufführung warst du schon fast zwei Wochen nicht mehr beim Grosi im Altersheim. Jetzt könntest Du doch den freien Nachmittag nutzen um ihr etwas Gesellschaft zu leisten, statt in deinem Zimmer zu hocken und auf den Abend zu warten.
Insgeheim hofft die Mutter, dass sie dann auch entspannter den Weihnachtsbaum schmücken und das Abendessen vorbereiten kann.

„Ich gehe nicht mehr zum Grosi“, sagt Adrian etwas verdrossen.
„Aber wieso denn nicht?“, hakt Mutter nach, „sie hätte bestimmt Freude.“
„Sie merkt es ja sowieso nicht mehr“, erwidert der Junge nach kurzem Zögern.
„Sie liegt ja eh nur noch da, schaut zur Decke und bewegt sich nicht mehr.“
„Aber Adrian, das haben wir doch erwartet. Das ist bei dieser Alzheimer Erkrankung eben so.  Ich habe dir das doch schon so oft erklärt. Grosi lebt nun einfach immer öfter in ihrer eigenen Welt. Aber deswegen spürt sie trotzdem, dass du bei ihr bist – davon bin ich ganz fest überzeugt.“
„Aber bei ihr ist es mir jetzt immer so langweilig, wenn sie nichts mehr redet und nur noch im Bett liegt“, moniert Adrian.
Mutter streicht dem Kleinen aufmunternd über den Kopf: „Du kannst ihr doch trotzdem etwas erzählen – vielleicht vom Krippenspiel am Freitag oder was du dir auf Weihnachten wünscht. Oder lies ihr doch einfach etwas vor, das wird sie sicher freuen.“
„Aber man merkt ja gar nicht, ob sie es versteht oder nicht!“, wehrt sich der Kleine.
„Du kannst es dir ja noch bis nach dem Mittagessen überlegen. Aber denke daran, es ist heute das erste Mal ist, dass Grosi nicht mit uns feiern wird. Auch weiss man nicht, ob Grosi am nächsten 'Heiligen Abend' noch erlebt. Vielleicht ist es in diesem Jahr das letzte Mal, dass du sie an Weihnachten überhaupt besuchen kannst.“

Mutter räumt den Frühstückstisch ab und Adrian geht missmutig in sein Zimmer. Er liegt auf das Bett.
'Erst neun Uhr', denkt er. 'Dauert das noch lange, bis es endlich dunkel ist. Mir ist richtig langweilig!'
Adrian ist, seit Grossmutter in diesem Altersheim ist, überhaupt viel öfter langweilig.
Früher – als sie noch im lieblichen Häuschen am Grabenweg 27 wohnte, war das ganz anders. Da hat er sie oft besucht und bei ihr gab es auch immer Abwechslung. Der grosse Garten, die Werkstatt des verstorbenen Grossvaters, da wusste man immer, was man machen konnte. Oft haben sie auch zusammen gespielt, er hat „Fern“ gesehen während sie strickte oder er hat ihr beim Kochen zugeschaut und einfach mit ihr über alles mögliche geredet. Gerade in der Adventszeit war er fast jeden Tag bei ihr. Dann hat er mit ihr zusammen Geschenke gebastelt, Weihnachtsgebäck ausgestochen, die Krippe im Wohnzimmer aufgestellt oder er ist auf ihren Knien gesessen und sie hat ihm aus einem Buch schöne Weihnachtsgeschichten vorgelesen.
'Damals ging diese Adventszeit viel schneller vorbei', denkt sich Adrian.
Und am Tag des 'Heiligen Abend' durfte er immer schon bereits am frühen Morgen zu ihr. Da wurden noch die letzten Geschenke verpackt, Würstchen mit Kartoffelsalat zum Mittag gegessen und am Nachmittag, wenn es fast nicht mehr zum Aushalten war, dann sind sie zusammen durch das weihnachtlich geschmückte Städtchen gelaufen und haben vor fast jedem Schaufenster Halt gemacht. So verging die Zeit wie im Fluge und plötzlich hatte Grosi dann gesagt:
„So, Adrian, nun gehen wir heim und dann wollen wir doch mal sehen, ob das Christkind schon bei euch zu Besuch war.“
Daran glaubt er heute natürlich nicht mehr, er ist ja schon gross.

'Schade, dass Grosi jetzt so krank ist, dass sie heute nicht einmal mehr bei der Weihnachtsfeier dabei sein kann' denkt Adrian jetzt. 'Dass es ihr in letzter Zeit immer schlechter ging und sie ab und zu komische Sachen machte, das hat Adrian eigentlich gar nicht gemerkt. Er hat es nur gehört, als die Mutter es jemandem erzählt hat. Nur, dass sie immer öfter etwas vergessen hat, das ist ihm schon aufgefallen, aber dann hat er sie eben daran erinnert.'
Diese Gedanken an die schönen „Grosi-Zeiten“von früher, haben Adrian jetzt etwas traurig gemacht.
‘So ist es überhaupt nicht richtig Weihnacht', denkt er, 'so ganz ohne Grosi.'
Irgendwie freut sich Adrian nun eigentlich gar nicht mehr so richtig auf den heutigen 'Heiligen Abend'.

'Was denkt das Grosi wohl jetzt gerade' fragt sich Adrian etwas später. 'Denkt sie vielleicht auch an die gemeinsame Zeit vor dem Weihnachts-Abend?'
'Sie lebt nun ihrer eigenen Welt, hat Mutter gesagt. Aber wo ist das? Was ist das für eine Welt? Hat es dort Schnee? Gibt es dort auch Weihnachten und ist dort überhaupt etwas los? Vielleicht ist jetzt Grosi ebenso langweilig wie ihm.
Ob er sie doch besuchen sollte? Dann könnten sie sich zusammen etwas langweilen – oder er könnte ihr eine Geschichte erzählen, so wie sie es für ihn früher tat. Vielleicht sollte er..... Er war ja früher auch froh, dass Grosi ihm die Zeit bis zum Weihnachtsfest verkürzt hat.'
Adrian bekommt jetzt ein bisschen ein schlechtes Gewissen.
Da ruft die Mutter auch schon zum Mittagessen, das heute früher als sonst stattfindet.

„Ich gehe nach dem Essen doch zum Grosi, Mami“.
„Ach, das ist schön, Adrian“, sagt die Mutter und drückt den kleinen Mann an ihre Brust. Adrian fühlt sich jetzt richtig gut, auch wenn er das sonst gar nicht mehr mag, besonders wenn andere anwesend sind.

Kurze Zeit später stiefelt Adrian durch den Schneematsch dem Altersheim entgegen. Der Weg ist nicht weit. In einer Plastiktasche hat er das grosse Buch vom Grosi mit den vielen Weihnachtsgeschichten und den farbigen Bildern mitgenommen.
Sie hat es im geschenkt, als sie ins Altersheim ging und das Häuschen räumen musste, und – heute Nachmittag will er ihr nun daraus vorlesen, damit auch für sie die Zeit schneller vergeht.

Nachdem er das Altersheim betreten hat, geht er neben der Cafeteria den langen Gang entlang, der zum Zimmer 17 der Grossmutter führt.
„Hoi Adrian“, sagt da eine Stimme die er sofort erkennt. Adrians Herz schlägt etwas schneller, denn nun steht Muna, die Maria der Weihnachtsaufführung, neben ihm.
„Was machst du denn da?“ Adrian kann ein Stottern gerade noch vermeiden. „Ist dein Grosi auch hier im Heim?“ kombiniert der Junge geschickt.
„Nein, nein“, erwidert Muna und lächelt. „Meine Grossmutter ist im Kosovo.“
„Aber was tust du denn hier im Heim?“
„Meine Mutter arbeitet hier, weisst du?, erklärt das Mädchen.
„Aha, nun hast du sie besucht?“
„Nein, ich darf heute den ganzen Tag hier bleiben, damit ich nicht alleine Zuhause bin.“
Adrian schaut sie etwas verständnislos an.
Und Weihnachten?“ fragt er erschreckt, „feiert ihr denn nicht Weihnachten heute Abend?“
„Nein, du weisst doch, wir Muslime feiern Weihnachten nicht und darum hat Mutter heute den Dienst von einer Kollegin übernommen, damit sie mit ihrer Familie feiern kann.“
„Und Dein Vater?“ fragt Adrian.
„Der arbeitet Schicht!“
„Dann bekommst du heute gar keine Weihnachtsgeschenke?“, bedauert Adrian seine Schulkollegin.
„Doch, ich bekomme an eurer Weihnacht auch immer ein Geschenk von meinen Eltern. Dieses Mal war es ein Buch, das ich mir gewünscht habe. Aber sonst gibt es keine Geschenke an diesen Tagen, dafür dann viele an unseren heiligen Feiertagen.
Dann fragt das Mädchen: „Du besuchst also deine Grossmutter, Adrian?“ Adrian nickt.
„Das ist denn schön von dir“, Muna strahlt in an. „Mutter hat mir gesagt, dass deine Grossmutter hier wohnt. Da hast du es aber gut, denn ich würde auch gerne meine Grossmutter besuchen, aber das ist zu weit weg. Wir fahren nur manchmal in den Ferien in den Kosovo.“
„Dann siehst du deine Grossmutter nur einmal im Jahr?“ fragt Adrian mitleidig.
„Nein“, lacht das Mädchen, „ein-, zweimal mehr ist es schon.“

„Aber meine Grossmutter ist jetzt sehr krank“, sagt nun Adrian etwas leise. „Sie ist in einer anderen Welt. Sie liegt nur noch da, bewegt sich kaum und sagt auch gar nichts mehr. Manchmal ist es richtig langweilig sie überhaupt zu besuchen. Aber heute will ich ihr eine Geschichte vorlesen, so wie sie es früher für mich getan hat.“
Muna nimmt Adrian bei der Hand und fragt: „Bitte, darf ich mit kommen zu deiner Grossmutter und dir zuhören?“
Dabei strahlt sie ihn erwartungsvoll an.

Bald sitzen die beiden auf zwei Stühlen neben Grossis Bett. Muna ist zuerst etwas erschrocken, als sie die dünne, fast unscheinbare Frau mit dem blassen, hageren Gesicht in dem grossen Bett mit den vielen Kissen gesehen hat. Sie liegt einfach da, hat die Augen geschlossen und nur der sich leicht hebende Brustkorb zeigt, dass sie lebt.

„Meinst du, dass sie uns hört“, fragt Muna flüsternd.
„Ich weiss es auch nicht“, flüstert Adrian zurück. „Sie sieht jetzt ganz anders aus als früher – viel kleiner und dünner. Ich erkenne sie fast nicht mehr. Aber trotzdem ist es noch mein Grosi, weisst du?“
Muna nickt und beide sitzen einen Moment still auf ihren Stühlen.

„Soll ich nun etwas vorlesen, was meinst du?“
„Au ja, bitte!“ sagt Muna leise und ihre grossen, staunenden Augen schauen ihn wieder so an, wie letzthin in der Aula.
Adrian zieht das dicke Weihnachtsbuch aus der Plastiktasche und blättert die Seiten um.
„Daraus hat mir Grosi früher immer vorgelesen“, flüstert Adrian.
„Ich suche nun meine Lieblingsgeschichte, die vom 'Heiligen Abend'
Adrian blättert noch ein paar Seiten um und dann hat er die Geschichte gefunden.

„Der Weihnachtsabend“ beginnt Adrian mit der Überschrift.

„Am vierundzwanzigsten Dezember durften die beiden Kinder nach dem Mittag nicht mehr in die Stube hinein. Man sollte damit das Christkind, wenn es denn Geschenke brachte dabei nicht stören.
So waren Fritz und Marie draussen im Garten oder warteten in ihren Zimmern bis die Abenddämmerung eingebrochen war. Fritz schlich auch immer wieder leise vor die Wohnzimmertüre, versuchte vergebens durch das wohl verhängte Schlüsselloch zu spähen und erzählte dann, der etwas ängstlicheren, jüngeren Schwester (sie war eben erst fünf Jahre alt geworden) wie er in der verschlossenen Stube ein ungewöhnliches wispern, rauschen und rasseln und, ein leises pochen gehört habe. Dann berieten die beiden Kinder hin und her, was die Geräusche wohl zu bedeuten hätten und ob das Christkind bereits am Werk war. Fritz, der zwei Jahre älter war und bereits einige Monate in die Schule ging, hatte dort auch schon von der Möglichkeit gehört, dass es gar kein Christkind gäbe und es Vater oder Mutter selbst seien, die die Geschenke unter den Christbaum legten. Aber Marie lehnte diese Vermutung vehement ab und auch Fritz wollte das Risiko nicht eingehen, vor dem Abend die Wohnzimmertüre zu öffnen und allenfalls das Christkind unverrichteter Dinge zu vertreiben.
Es war inzwischen ganz finster geworden. Fritz und Marie hielten die Spannung fast nicht mehr aus, wagten kaum noch ein Wort zu reden und es war ihnen als rausche es nun mit linden Flügeln um sie herum und im ganzen Haus. Auch meinten sie einmal eine ganz feine, aber sehr herrliche Musik, wie von himmlischen Chören, zu vernehmen und Marie war sich gewiss, einen hellen Schein vor dem Fenster vorbeihuschen gesehen zu haben. Da wussten die Kinder, dass nun das Christkind auf einer glänzenden Wolke fortgeflogen war – zu andern glücklichen Kindern – und alle Zweifel an dessen Existenz unberechtigt waren.

In dem Augenblick hörten sie den silberhellen Ton eines Glöckleins: Klingling, klingeling, klingelingeling!  Das war das langersehnte Zeichen, das dem schier unendlichen Warten ein Ende bereitete. Die beiden Kinder rannten jetzt aus ihren Zimmern und zusammen mit Mutter und Vater durfte Fritz endlich die Türe zur weihnachtlichen Stube öffnen.
Mit einem gemeinsamen „Ah!“ und „Oh!“ blieben alle wie erstarrt auf der Schwelle stehen.
Jeder soll nun selber, aus seiner Erinnerung, sich vorstellen, welch ein überwältigender Lichterglanz die leuchtenden Augen der Betrachter überflutete und aus dem geöffneten Mund der kleinen Marie ein entzücktes: "Ach wie schön – ach wie wunderschön", vernehmen liess und sogar der Mutter, die das alles so gestaltet hatte, einen tiefen Seufzer entlockte.

In der Mitte des Raumes stand der grosse Tannenbaum, behängt mit glänzenden, farbigen Kugeln, silbernen Zapfen, goldenen Sternen, glitzernden Engeln, einem Weihnachtsmann, einem Fliegenpilz, verschiedenen kleinen Tieren und anderen dekorativen Figuren aus feinstem verspiegeltem Glas.
Nebst den Licht und Wärme spendenden Kerzen war die Äste des schönsten Baumes des Jahres auch mit allerlei in farbiges Stanniol verpackten Figürchen aus Schokolade, bunten Bonbons und was es sonst noch für schönes Naschwerk gibt, geschmückt. Silberfarbenes Lametta symbolisiert am Weihnachtsbaum Eiszapfen und feines goldenes „Engelhaar“ zeigte auch dem grössten Skeptiker, dass himmlische Boten vor kurzem diese Pracht gebracht haben müssen.

Unter dem Baum glänzte alles sehr bunt und herrlich – da lagen die grossen und kleinen Geschenke, fein säuberlich in farbig bedrucktes Papier geschlagen und mit edlen Bändern und Schleifen verziert – ja, wer hätte das zu beschreiben vermögen!“


Adrian musste tief Luft holen.
Immer wieder, wenn Grossmutter ihm diese Geschichte vorgelesen hatte oder auch jetzt gerade, überwältigte ihn die Vorstellung des eigenen weihnachtlich geschmückten Wohnzimmers am 'Heiligen Abend'.

„Ach, das möchte ich auch einmal erleben“, seufzt nun auch Muna ganz ergriffen.
„Eure Weihnachten ist so schön, schade, dass wir das Fest nicht auch so feiern. Ich würde das so gerne auch einmal sehen.“
„Ja“, sagt nun Adrian immer noch gerührt. „Genau so sieht es bei uns heute Abend aus“, und er zeigt mit dem Finger auf das Bild, das in pastellen Farben die vorhin beschriebene Weihnachtsstube mit der unter der Türe stehenden, staunenden Familie zeigt.
„Nur das Mädchen hier, das fehlt bei uns – und Grossmutter in diesem Jahr ebenfalls.

Für einen Moment sitzen die Beide andächtig auf ihren Stühlen, während Adrian mehrmals die Luft schniefend durch die Nase zieht und ab und zu verstohlen mit dem Ärmel über die Augen fährt.
Muna nimmt ihn tröstend bei der Hand, also ob sie noch Maria wäre.

Plötzlich springt Adrian auf:
„Dann komm doch einfach mit zu uns“, ruft Adrian und vergisst dabei, dass er wegen der kranken Grossmutter bisher nur geflüstert hatte. Aber Adrian ist nun von seiner Idee ganz begeistert. „Ich bin sicher, dass Mutter nichts nicht dagegen hat und jetzt wo Grossmutter......

In diesem Moment öffnet sich schwungvoll die Zimmertüre und eine gedämpfte Stimme ruft aufgeregt:
„Munawwara! Ich habe dir doch verboten in die Zimmer..... Ach, du bist hier, Adrian.“
Frau Mushkulaj steht unter der Türe und schaut ziemlich böse ins Zimmer. Adrian hat sie zuerst fast nicht erkannt, denn sie hat ihre dunklen Haare hinten zusammen gebunden und trägt die weissgelbe Arbeitskleidung des Pflegepersonals. Zudem verändert sie vor allem auch die dunkelrandige Brille, die ziemlich weit vorne auf ihrer schmalen Nase sitzt und über deren Rand sie nun ganz freundlich lächelnd auf Adrian blickt.
„Das ist aber schön, Adrian, dass du deine Grossmutter heute besuchst. Das freut sie ganz bestimmt.“
„Glauben sie, dass sie es überhaupt merkt, Frau Mushkulaj?“, fragt Adrian vorsichtig. „Mutter sagt, sie sei jetzt in einer anderen Welt.“
„Da hat deine Mutter sicher recht, Adrian. Deine Grossmutter ist mit ihren Gedanken nicht mehr immer hier, geistig abwesend sagt man auch. Aber ich glaube, dass sie trotzdem hört oder zumindest spürt, was hier geschieht und geredet wird. Schau nur einmal, wie friedlich sie daliegt. Ich bin überzeugt, dass es sie freut, dass du sie besuchst.

„Mami, Adrian hat mich für heute Abend zur Weihnachtsfeier bei ihm Zuhause eingeladen“, sagt nun Muna ganz aufgeregt. „Darf ich mitgehen, bitte, bitte? Ich komme auch bald wieder zurück, ganz bestimmt. Ich möchte nur einmal in diese Weihnachtsstube schauen.“

„Nein  Munawwara, das geht bestimmt nicht“, winkt Frau Mushkulaj entschieden ab. Die Arnold's feiern heute ihr Weihnachtsfest. Das ist ein grosses Familienfest, da kommen bestimmt viele Verwandte und Freunde und da wollen sie sicher nicht noch ein fremdes Mädchen dabei haben.
Muna setzt sich enttäuscht wieder auf den Stuhl.
„Es kommen bei uns gar keine Verwandten und Freunde heute Abend, Frau Mushkulaj. Wir feiern ganz alleine und jetzt ist nicht einmal mehr Grossmutter dabei. Ich bin ganz sicher, dass meine Eltern nichts dagegen hätten, wenn Muna bei uns wäre! Ich wäre sogar froh, denn dann könnten wir noch etwas spielen, bis es dunkel ist und die Zeit, bis der 'Heilige Abend' beginnt, wäre nicht mehr so langweilig.“

„Ja und für mich auch nicht, wenn du bis zehn Uhr arbeiten musst und ich dann hier alleine auf dich warten muss“, wehrt sich nun auch wieder Muna mit grossgemachten Augen ganz euphorisch. Durch Mutters unterdrücktes Lachen, das ihr nicht entgangen ist, schöpft sie nun auch wieder etwas Hoffnung.
„Ich weiss nicht...“ sagt nun Frau Mushkulaj unsicher.
„Wir können sie ja anrufen und sie fragen“, Adrian macht bereits einige entschlossenen Schritte auf Munas Mutter zu.
„Ach, ich weiss wirklich nicht“ überlegt diese aber noch immer.
Ein mehrfach pfeifender Ton unterbricht die Situation und Frau Mushkulaj greift in die Tasche ihres Arbeitskittels. Nach einem Blick auf das Display des Gerätes sagt sie rasch: „Wartet hier, ich muss schnell weg“ und schon ist sie verschwunden.

„Ach, das wäre schön, wenn du mitkommen dürftest“, sagt Adrian. „Ich bin ganz sicher, dass meine Eltern nichts dagegen haben würden. Du hast ihnen bei der Aufführung als Maria so gut gefallen. Du seist ein „härziges“ Mädchen, haben sie auf dem Heimweg gesagt und deine Eltern seien auch sehr nett.“
Muna sagt nichts dazu, aber sie schaut Adrian wieder so komisch an. Ihre Augen strahlen und man könnte meinen, es sei bereits 'Heiliger Abend'.

„Soll ich noch etwas weiter lesen?“ Muna nickt.

„Fritz und Marie schielten nun besonders auf die vielen Pakete, die den mit Wasser gefüllten, gläsernen Schuh des Christbaumes vollständig überdeckten. Man versuchte anhand von Form und Grösse zu erahnen, was sich darin verbergen könnte.
Ein wenig Geduld mussten die beiden aber noch haben.
Denn zuerst las die Mutter aus der alten in Leder gebundenen Familien-Bibel einige Verse aus der Weihnachtsgeschichte, die da begann:

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.....  und jedermann ging, dass er sich schätzen liesse, ein jeglicher in seine Stadt.
Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heisst Bethlehem.... auf dass er sich schätzen liesse mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge......

Danach sagten die beiden Kinder brav einen kurzen Vers auf, vielleicht: „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt!“ oder ein lange eingeübtes, klassisches Weihnachtsgedicht, wie: „Markt und Strassen stehn verlassen, Still erleuchtet jedes Haus...,“ von Joseph von Eichendorff.
Jedes vorgetragene Gedicht wurde gelobt und erntete manchmal auch Applaus, wenn es besonders gut und ohne zu Stocken vorgetragen wurde.

Darauf wurden noch ein paar bekannte Weihnachtslieder gesungen, wie „O du fröhliche, o du selige“ oder „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“, „Ihr Kinderlein kommet“ oder „Stille Nacht, heilige Nacht“.
Dann wünschte man sich gegenseitig „Fröhliche Weihnachten" und endlich durften die Geschenke ausgepackt werden.
Das zu Beschreiben überlasse ich der Erinnerung eines jeden einzelnen, denn diese inneren Bilder begleitet einem fortan unauslöschlich ein Leben lang.
Nach der Bescherung wurde gegessen: Karpfen mit Meerrettichschaum, Petersilienkartoffeln und heisser Butter und gegen Mitternacht ging man wie jedes Jahr zur heiligen Christmesse.


„Bravo Adrian, du kannst wunderbar lesen.“ Frau Mushkulaj ist unbemerkt ins Zimmer getreten und hat schon eine Weile zugehört. „Das hat deiner Grossmutter sicher sehr gut gefallen.
„Also, wegen heute Abend: wenn die Eltern von Adrian es erlauben, dann bin ich auch einverstanden und Muna darf dich nachher nach Hause begleiten.
„Au ja“, die beiden Kinder klatschen vor Freude in die Hände.
„Aber zuerst rufen wir bei dir Zuhause an und .....
Frau Mushkulaj hört mitten im Satz auf zu reden, denn aus Grosi's Bett vernimmt man nun kaum hörbar mit dünner Stimme:
„Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft, Einsam wacht“
Mit geschlossenen Augen und kaum die Lippen bewegend singt Adrians Grossmutter langsam die erste Strophe dieses Weihnachtsliedes und entschwindet danach mit einem seligen Lächeln im Gesicht wieder in ihre eigene Welt.

Starr und unbeweglich hören die drei im Zimmer stumm zu. Adrian ist zuerst etwas erschrocken, dann aber überwiegt die Freude.
„Ds Grosi singt! Grossmutter singt! – Sie hat uns gehört, sie hat meine Geschichte gehört!“, jubelt er, vor Aufregung immer lauter flüsternd.
Auch Frau Mushkulaj ist sichtlich gerührt und drückt die beiden Kinder an ihren Schoss.
„Ja, Adrian, das ist wunderbar, sie hat dein Vorlesen gehört.“

Kurz darauf hat Adrian seine Mutter angerufen und nachdem er ihr atemlos erzählt hat, dass Grossmutter gesungen hat, hat er sie dann gefragt und sie hat sofort zugestimmt. Nachdem noch Frau Mushkulaj mit ihr gesprochen hat, hat auch sie zugestimmt und versprochen, Muna nach der Arbeit dort abzuholen, weil auch sie noch von Frau Arnold zu einem Kaffee eingeladen wurde.

So wurde dieser erste „Heilige Abend“ ohne seine Grossmutter, für Adrian doch noch zu einem seiner schönsten Weihnachtserlebnisse.

© Copyright by Herr Oter 22. Dezember 2013






;)

Samstag, 21. Dezember 2013

Kreuzworträtsel







Meine Mutter hat zum morgendlichen Kaffee mindestens zwei gelöst.
Auch in der Handtasche von Queen Elisabeth wurden schon mal welche entdeckt.
Und ein Gelöstes, führte 1981 mittels Schriftanalysen sogar zur Lösung einer der bekanntesten Kriminalfälle der DDR

Das Kreuzworträtsel ist 100 Jahre alt!

Das erste der beliebten Kreuzworträtsel erschien, so wie wir es heute kennen, am 21. Dezember 1913 in der New York World, einer US-amerikanischen Tages-Zeitung, die von 1860 bis 1931 in New York City erschien.
Der Journalist Arthur Wynne, geboren 1862 in Liverpool, erhielt als Redaktor der Abteilung „Tricks and Jokes“, den Auftrag, in der Weihnachtsbeilage der Sonntagsausgabe, für die Leser einen netten Zeitvertreib auszudenken. Zwei Tage dachte er darüber nach und entwickelte dann auf Grundlage des Spieles „Die magischen Quadrate“, das er noch von seinem Grossvater her kannte, das von ihm ausgedachte Wortspiel: Word-Cross Puzzle, Wort-Kreuz Puzzle,
Das Kreuzworträtsel von Wynne bestand aus 31 Suchbegriffen, enthielt noch keine schwarzen Felder und war rautenförmig.
Arthur Wynne wollte sich seine Erfindung patentieren oder urheberrechtlich schützen lassen, doch der Herausgeber der New York World sah dafür keine Notwendigkeit. Er war der Meinung, dass das Kreuzworträtsel nach ein paar Monaten wieder verschwinden werde.
Herausgeber der Zeitung war damals übrigens der Sohn des Stifters, des nach ihm benannten Pulitzer-Preises. Er hatte das Blatt zwei Jahre zuvor vom berühmten Verleger Joseph Pulitzer (1847-1911) nach dessen Tod übernommen.

Der Erfolg des von Anfang an äusserst beliebten Kreuzworträtsel hielt jedoch an. Immer mehr Zeitungen und Zeitschriften begannen mit der Veröffentlichung dieses Rätselspasses und es gilt heute als das beliebteste und weitverbreitetste Wortspiel der Welt. Nur die ehrwürdige New York Times wollte sich dem neuen Trend nicht anschliessen: „Mit diesem läppischen und sinnlosen Zeitvertreib gehen dem amerikanischen Volk fünf Millionen Stunden verloren“, lästerte sie über den „Kreuzworträtsel-Wahnsinn“. Erst 1930 veröffentlichte sie endlich das erste Kreuzworträtsel – verschämt im Innenteil – später dann aber sogar regelmässig im Grossformat auf der Rückseite der Zeitung. Anfang der Zwanziger Jahre begann auch der Siegeszug des Kreuzworträtsel in Europa.

In der Schweiz erschien am 5. März 1925 das erste Wortgitter, in dem die einzelnen Kästerchen durchnummeriert waren. Darunter waren die ensprechenden Nummern vor der Frage notiert. So stand im ersten Schweizerrätsel:
waagrecht ergeben: 1,  2,  3,  4,  = Haustier (Lösung: ESEL) und
senkrecht ergeben: 1, 10, 19, 28 = biblische Person (Lösung: ESAU)
(Das erste Rätsel der Schweiz finden sie hier)

Erst einige Jahre später kamen die Schweden auf die Idee, die Fragen, mit einem richtungweisenden Pfeil versehen, in die Kästchen zu schreiben. Darum nennt man sie auch heute noch: Schwedenrätsel.

Bereits 1924 wurde in den USA das erste Kreuzworträtsel-Buch mit insgesamt fünfzig Rätseln vom renommierten Verlag Simon – aber aus Angst vor einem Reinfall wurde es unter dem Synonym „The Plaza Publishing Company“ – veröffentlicht. Inzwischen lösen im deutschsprachigen Raum rund 12 Millionen Rätselfreunde regelmässig Kreuzworträtsel und weitere 42 Mio. füllen die Kästchen zumindest gelegentlich aus.
Das aufwendigste Kreuzworträtsel erstellte übrigens Charles Cilard im Jahre 1985. Er arbeitete insgesamt vier Jahre lang an seinem Werk und brachte schliesslich ein 870 m langes, 30 cm breites und mit 2610000 Kästchen umfangreiches Kreuzworträtsel hervor. Sein Name ist inzwischen selber zu einer beliebten Rätselfrage geworden


Erstes Kreuzworträtsel 
(Autor: Arthur Wynne [Public domain], via Wikimedia Common)

Wer das Das erste Rätsel der Welt selber lösen möchte findet es hier
Die Lösungen des weltweit und des schweizerisch ersten Kreuzworträtsel gibt es hier


Senkrecht, waagrecht – füllt ihr auch gerne diese kleinen Kästchen aus? Seid ihr vielleicht sogar etwas süchtig danach?
Meine Mutter war ihr Leben lang eine ganz grosse Liebhaberin dieser Worträtsel. Bereits nach dem Aufstehen, noch im Morgenmantel und begleitet von zwei Tassen Frühstückskaffee, löste sie jeden Tag bereits am frühen Morgen schnell zwei Kreuzworträtsel. Während des Tages kamen dann noch ein paar weitere dazu. Die richtig dicken Rätselspass-Bücher waren mit der Zeit bei allen beliebte Weihnachtsgeschenke für sie.
Vorbild war ihr wohl der leicht sprachbehinderte Bäckerei-Ausläufer Ueli, den sie noch aus jungen Jahren kannte. Als „dumm“ bezeichnet belieferte er damals mit Velo und geflochtener „Brotkrätze“ (Korb) auf dem Rücken in Windeseile und bei jeder Witterung die Kunden. Er war zugleich ein passionierter Hobby-Velorennfahrer, nahm den „Gotthard“ und den „San Bernardino“ problemlos am selben Tag und kam dann auf der Rückfahrt ein oder zweimal im Jahr „uf es Käffeli“ bei uns vorbei. Während Mami den Kaffee kochte, löste er in wenigen Minuten schnell ein ganzseitiges Kreuzworträtsel einer Zeitschrift, ohne ein Feld unausgefüllt zurückzulassen.
Auch wenn „Rätsel-Profis“ die Kästchen grundsätzlich mit Kugelschreiber ausfüllen und das Ausfüllen mit einem Bleistift in diesen Kreisen als verpönt gilt, so war Mami immer mit einem Bleistift „bewaffnet. Dazu gehörte auch ein schwarzer Gummi der Marke „Faber-Castell“. Damit liess sich ein falscher Buchstabe auch auf einer Hochglanzpapier-Seite in einer Zeitschrift sauber ausradieren.

Von Wissenschaftlern wurde mittlerweile erwiesen, dass Denksportler durch das Lösen von Kreuzworträtseln länger leben, da sie geistig sehr rege bleiben. Doch trotzdem, meine Mutter litt im hohen Alter an der Alzheimer-Krankheit, obschon man immer wieder lesen kann, dass „Kreuzworträtsler“ davor eher verschont bleiben würden.
Gerade die Tatsache, dass Mami ihre Kreuzworträtsel mit der Zeit immer nur noch halb ausgefüllt herumliegen liess, war für mich ein Hinweis darauf, dass mit ihr etwas nicht mehr stimmen konnte.

Nun bleibt noch das Rätsel um den sogenannten Kreuzworträtselmord zu lösen.
Kurz zusammengefasst gemäss Wikipedia, verschwindet am 15. Januar 1981 in Halle-Neustadt der siebenjährige Lars Bense nach einem Kinobesuch spurlos und wird zwei Wochen später tot in einem Koffer neben Bahngeleisen gefunden. Er wurde offensichtlich aus dem fahrenden Zug geworfen. Weder Hinweise zum Koffer, noch zu einem verwendeten Plastiksack bringen die Ermittler weiter. So bleiben nur noch die zum Ausstopfen des Koffers verwendeten Zeitungen mit ausgefüllten Kreuzworträtseln für den Fahndungserfolg.
Mittels 551.198 aufwendig ausgewerteten Schriftproben gelingt es den 18-jährigen Mörder schlussendlich zu finden. Den ausführlichen Bericht darüber findet man hier
Am 15. Januar 2013 stirbt der 1999 endgültig entlassene Mörder im Alter von 50 Jahren nach einer schweren Krankheit. Im Februar 2013, also wenige Tage danach, veröffentlicht die damalige Freundin des Täters den von ihr verfassten Roman „Der Kreuzworträtselmord - Die wahre Geschichte“. Darin schildert sie Details, die von Aussagen während ihrer damaligen Vernehmung abweichen. Die Staatsanwaltschaft Halle hat daher ein Mordermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet.
Interessante Details dazu erfährt man hier






;)

Freitag, 20. Dezember 2013







Jede Brücke ist zum Einstürzen verurteilt,
wenn sich die einzelnen Steine 
nicht gegenseitig stützen. 

Herr Oter

Ponte dei Salti in Lavertezzo im Valle Verzasca (Schweiz)
Urheber: Wladyslaw - Original uploader: Taxiarchos228 at de.wikipedia
Lizens:  GNU via Wikimedia Commons




:)

Donnerstag, 19. Dezember 2013







Aller Humor fängt damit an,
dass man die eigene Person 
nicht mehr ernst nimmt

Hermann Hesse





:)

Mittwoch, 18. Dezember 2013






"Beginnen können ist Stärke, 
vollenden können ist Kraft."


Laotse
eigentlich Laozi (Lǎozǐ)
(Laotse bedeutet 'der Alte' )
 
Geboren: 604 v. Chr., in Henan, Volksrepublik China
Gestorben: 531 v. Chr., Volksrepublik China 


ist ein nur legendenhaft fassbarer chinesischer Philosoph 
und Begründer des Taoismus

Die heutige Wissenschaft nimmt aber an, 
dass Lǎozi wahrscheinlich nie existiert hat.
Eher wurden traditionelle und  lange Zeit mündlich weitergegebene,
Überlieferungen aufgeschrieben und dieses Werk 

mit dem Namen Laozi als Verfasser versehen

Die Legenden, die sich inzwischen um Lǎozǐ ranken, 
entstanden wohl aus dem Bedürfnis der damaligen Zeit heraus, 
eine Überlieferung historisch greifbar und zu einer Schule gehörend zu machen. 

Einer dieser  Legenden nach, wurde Lǎozǐ über 160 Jahre alt, 
andere Quellen sprechen sogar von 200 Jahren. 
Dieses hohe Alter soll er durch Vollkommenheit im Dào (Tao) erreicht haben.

 

Lǎozǐ, in Übergrösse in Stein gemeisselt

Autor: Thanato
Lizenz: CC-BY-SA-3.0 - Bildquelle: Wikipedia via Wikimedia Commons



;) 

Sonntag, 15. Dezember 2013

Die Schneekugel





Die Schneekugel



Immer wieder schüttelt Helena die Schneekugel. 
Die Schneeflocken wirbeln wild herum und setzen sich langsam auf den Schneemann in der Glaskugel.
„Es schneit, es schneit“, jauchzt Helena dabei jedes Mal und schaut ganz fasziniert dem Schneetreiben in der Kugel zu.
„Wann schneit es denn endlich auch bei uns, Mama?“ fragt das Mädchen, „es ist doch bald Weihnachten und noch immer keinen Schnee“.
Sie schaut aus dem Fenster auf die menschenleere grüne Rasenfläche zwischen den Wohnblocks. Auch der kleine Spielplatz an dessen Rand ist schon seit Tagen verweist. Das Wetter ist nasskalt und trüb und es beginnt jetzt bereits dunkel zu werden.
„Der kommt schon noch, Helena“, beruhigt die Mutter, „vielleicht nicht bis Weihnachten, aber dann sicher im neuen Jahr“.
„Schau einfach in die Kugel und wünsche dir fest, dass Schnee kommt, das nützt bestimmt!“
„Au ja“, jubelt das Kind, „und dann darf ich einen grossen Schneemann bauen, gell Mama, in diesem Jahr darf ich es, du hast es mir doch schon letztes Jahr versprochen!“
„Wir werden sehen, Liebes, noch hat es keinen Schnee.“
Frau Kroll unterdrückt einen Seufzer, der sich gerade äussern wollte, denn wenn Schnee fällt, wird es für sie nicht einfacher. Sie betrachtet ihre Tochter nachdenklich, geht zwei Schritte zu ihr hin und fährt ihr gedankenverloren durch das gekrauste, kurze Haar. Unbewusst neigt sich Helenas Kopf leicht zu ihr hin, während sie die Glaskugel wieder kräftig schüttelt und mit weit aufgerissenen Augen konzentriert dem Schneetreiben zuschaut. Dabei wispert sie leise, aber nachdrücklich: „Schnee, Schnee, Schnee!“

*

Kurze Zeit später liegt Helena im Bett. Das Nachtlicht spendet spärlich Licht.
Aber das genügt, um den kugelrunden, weissen Mann in der Glaskugel, die das Mädchen noch immer in ihren Händen hält, erkennen zu können.
„Lieber Schneemann, lass es doch auch bei uns schneien“, flüstert sie leise zum weissen Mann mit den grossen, schwarzen Augen und der spitzen, roten Nase. Wie es sich für einen richtigen Schneemann gehört, trägt er auf dem Kopf einen schwarzen Zylinder mit einem roten Hutband. Ein dicker, roter Schal und drei grosse, runde Knöpfe zieren seinen kugeligen Rumpf.
Kräftig schüttelt Helena immer wieder die Glaskugel, sperrt die müden Augen auf und murmelt konzentriert: „Bitte, bitte lieber Schneemann, ich möchte so gerne Schnee, ganz viel Schn...

Hat der weisse Kerl jetzt mit dem linken Auge gezwinkert? Das kann doch gar nicht sein.
Aber, doch, doch, der Schneemann beginnt nun sogar zu lachen und zu winken. Jetzt zieht er seinen Hut zum Gruss und kommt tatsächlich etwas näher.
„Hallo, liebe Helena. Ich habe gehört, was du dir so fest wünscht. Darum schau, ich lasse es für dich tüchtig schneien“, sagt der Eismann mit einer unerwartet warmen Stimme zu ihr. Zwei kräftige Arme lösen sich vom seinem Rumpf und jetzt – streckt er beide Hände gegen den Himmel. Sofort tanzen dicke Schneeflocken der Erde entgegen und in kurzer Zeit ist alles schneeweiss.
Der kleine weisse Mann streckt seine Arme nun dem Kind entgegen.
„Komm Helena, komm zu mir, wir wollen zusammen tanzen.“
Verwundert und etwas zaghaft bewegt das Mädchen seine Beine und nimmt den Schneemann bei der Hand. Schon tanzen sie zusammen übermütig durch den fallenden Schnee. Er hebt sie hoch, wirbelt sie durch die Luft und dann rollen sie sich zusammen in der dichten, weichen Schneedecke, die bereits die ganze Erde überzieht. Helena wird in den starken Armen dieses frostigen, kleinen Mannes ganz warm ums Herz.

Der Schneemann formt nun einen Schneeball und wirft ihn nach Helena, die sofort wieder einen zurück wirft. Nun beginnt eine richtige Schneeballschlacht – darauf hat das Mädchen schon so lange gewartet.
„Komm, jetzt bauen wir zusammen eine Schneefrau“ ruft der Schneemann ganz übermütig und rollt bereits einen Schneeball so lange, bis es daraus eine ganz grosse Kugel für den Rumpf gibt. Danach eine Kleinere für oben drauf und aus der Kleinsten wird der Kopf. Nun modellieren sie zusammen diese noch unförmige Figur bis daraus eine prächtige Schneefrau geworden ist.
„Das wird nun meine Frau“, jubelt der Schneemann begeistert. „Dann bin ich endlich nicht mehr alleine. Bisher war ich doch oft sehr einsam in deiner Glaskugel.“ Sein weisser Körper strahlt jetzt scheinbar noch heller.
„Sieht sie nicht wunderschön aus, meine Schneefrau?“, fragt der Wintermann glücklich und legt stolz seinen Arm um die mollige Eisdame, die gerne näher zu ihm rückt.
Dann gehen die beiden Arm in Arm und werden immer kleiner, je näher sie der Abendsonne entgegen kommen.
Glücklich sieht Helena den beiden Verliebten nach und winkt noch lange......

*

„Guten Morgen, meine liebe Helena“ sagt eine vertraute Stimme leise.
„Mir scheint, dass du etwas ganz Schönes geträumt haben musst, denn du hast im Schlaf gelächelt und eine Hand bewegt, als ob du jemandem zuwinken würdest.“
„Ach, Mami, es war so wunderschön im Traum ...“, und wieder überzieht ein glückliches Lächeln das Gesicht des Mädchens mit den noch immer geschlossenen Augen.
„Es hat geschneit, richtig fest geschneit! Genau so, wie du es gesagt hast. Und der Schneemann hat mich in seine Kugel geholt und wir haben getanzt und es gab eine richtige Schneeballschlacht! Wie mit Papa früher, weisst du? Ach, war das lustig.
Und dann haben wir für den Schneemann eine wunderschöne Schneefrau gemacht – damit er nicht mehr so alleine ist.
Ach, war der glücklich. Schade, dass es nur ein Traum war.“

Mutter hat sich inzwischen auf den Bettrand gesetzt und ist mit ihrer Hand der Kleinen liebevoll über die Stirne gefahren.
Nun nimmt sie das Mädchen bei beiden Händen und setzt sie vorsichtig auf.
„Komm Helena, dein Traum ist wahr geworden! Mach schnell die Augen auf und schau, wie viel es in der Nacht geschneit hat.“
Die Mutter stützt ihre Tochter, damit sie aus dem Fenster sehen kann.
„Oh, ist das schön, alles ist ganz weiss. So viel Schnee, genau wie in meinem Traum!“
Das Mädchen sieht mit staunenden Augen fasziniert durch das Fenster.
„Aber nach draussen in den Schnee, werden wir nicht gehen können, stimmt's Mutter? Ich bin zu schwer.....“, sagt sie nach einer Weile traurig und kraftlos lässt die Mutter Helenas Oberkörper wieder langsam ins Bett sinken.
„Ach, meine Kleine“. Mutters Augen füllen sich mit Tränen und Helena umarmt sie jetzt ganz fest.
„Nicht weinen Mama, ich weiss schon, ohne Papa....“, zärtlich fährt sie mit der Hand über Mutters Haar.

*

Am Nachmittag, Helena muss im Wohnzimmer eingeschlafen sein, heben sie zwei kräftige Arme hoch.
Das Mädchen kennt den Mann, Peter heisst er und er kam oft zu Papa, als er noch hier war.
„So, Helena, nun geht es los“, sagt Peter mit sanfter Stimme und trägt sie ins andre Zimmer.
„Wir gehen jetzt zusammen in den Schnee!“ „Schau, Mama hat schon warme Kleider bereit gelegt und während sie dich nun richtig warm anzieht, hole ich schon mal den grossen Schlitten von Papa aus dem Keller“.
Mit einem aufmunternden Nicken verlässt Peter das Wohnzimmer und die Mutter beginnt nun, ihrer Tochter die warmen Kleider für den Schnee anzuziehen.
Bald ist sie warm eingepackt und Peter trägt das Mädchen vorsichtig die vielen Treppen hinunter. Vor der Haustüre steht der Holzschlitten mit dem speziellen Sitz, den Vater damals, extra für sie angefertigt hatte.

Es wird ein traumhafter Nachmittag.
Alles ist so, wie in Helenas Traum von letzter Nacht. Peter tanzt mit ihr ausgelassen durch den Schnee und es gibt eine richtige Schneeballschlacht.
Danach schaut sie zu, wie er zusammen mit der Mutter einen grossen Schneemann baut. Der bekommt auch einen dicken, roten Schal und zwei grosse, schwarze Steine für die Augen. Drei weitere Steine gibt es für die Knöpfe und aus seiner Tasche zaubert Peter auch eine Karotte für die Nase. Statt eines Zylinders trägt der weisse Mann nun Peters karierte Mütze mit dem lustigen Bommel. Danach tanzen ihre Mutter und Peter Arm in Arm ausgelassen um die lustige Figur aus Schnee und dann – haben sich die beiden sogar noch geküsst!
Helena klatscht begeistert in die Hände und jauchzt vor Freude.

*

Am Abend, nach dem Nachtessen, sitzt Helena wieder im Wohnzimmer am Fenster. Sie hält ihre Schneekugel mit dem Schneemann fest in beiden Händen.
Peter ist noch zum Nachtessen geblieben und trinkt jetzt mit Mutter Kaffee in der Küche. Helena hört die beiden viel zusammen lachen und nicht nur das, macht das Mädchen sehr glücklich.
Denn es war ein wunderschöner Nachmittag, genau so wie sie es sich gewünscht hatte. Und Peter hat versprochen, dass sie nun öfters zusammen nach draussen gingen. Ihre Mutter hat dazu genickt und geheimnisvoll gelächelt. Dabei haben sich ihre leuchtenden Augen mit einem glänzenden Schimmer überzogen.

Helena schaut jetzt müde aus dem Fenster. Es beginnt bereits zu dunkeln. Auf der menschenleeren Rasenfläche zwischen den Wohnblocks steht ein kleiner, kugelrunder Schneemann mit einer Bommelmütze, einer spitzen Nase, einem roten Schal, drei dicken Knöpfen und zwei schwarzen, grossen Augen.

Hat nicht soeben das Linke gezwinkert?
© Copyright Herr Oter, Dezember 2013 



Autor: By Tanemori (Hatena Ftolife) 
Lizens: CC-BY-1.0  - via Wikimedia Commons


:) 

Donnerstag, 12. Dezember 2013






Wo kämen wir hin,
wenn jeder sagte,
wo kämen wir hin
und keiner ginge,
um zu sehen,
wohin wir kämen,
wenn wir gingen. 

von 

geboren am 31. Januar 1921 in Bern
ist ein von mir geschätzter Schweizer Schriftsteller und Pfarrer.
Er besuchte zusammen mit Friedrich Dürrenmatt das Freie Gymnasium Bern.
Der Ehe mit Hanni Morgenthaler wurden drei Söhne und eine Tochter geschenkt.

Sein literarisches Schreiben umfasst: 
Aufsätze, Prosa, Tagebücher, Erinnerungen und Lyrik
sowie in seiner Berner Mundart geschriebene, sprachwitzige und politische Gedichte und Aphorismen.

Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem:
Johann-Peter-Hebel-Preis, Kurt-Tucholsky-Preis, Karl-Barth-Preis
und mehrfach mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung

Kostprobe:
oder zusammen mit diverese Interviews hier:






:)


Dienstag, 10. Dezember 2013

Ein bewegender und ein bedeutender Moment








Ein bewegender und ein bedeutender Moment




Zehntausende Menschen nehmen in Soweto Abschied vom südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela. Eine bewegende Zeremonie, so wie sie nur bei einer Trauerfeier in Afrika möglich ist....

90 amtierende und ehemalige Staatschefs nehmen an der Veranstaltung teil.
So auch US-Präsident Barack Obama.
Er sorgt bei dieser Feier noch für einen zusätzlichen, historischen Moment.
Auf dem Weg zum Podium, wo er eine bemerkenswerte Abschiedsrede für die herausragende Persönlichkeit und Friedensnobelträger, Nelson Mandela, halten wird, kommt er auch beim kubanischen Staatschef Raul Castro vorbei. Die USA und Kuba sind seit mehr als 50 Jahren verfeindet und noch im Vorfeld der Gedenkfeier hatte es geheissen, Obama wollte im Stadion möglichst weit entfernt von Castro sitzen.
Doch Barak Obama bleibt, nach einer kaum bemerkbaren Verzögerung, bei Raul Castro stehen und schüttelt ihm lächelnd die Hand und – Herr Castro lächelt währenddessen zurück.

Ein bedeutender Moment! Der hier zu sehen ist.
Denn diese Geste zwischen einem amerikanischen und einem kubanischen Staatschef ist in der jüngeren Geschichte einmalig. So ist es erst der zweite Handschlag zwischen den Staatsoberhäuptern der beiden Länder seit der Kubakrise 1962, also vor mehr als 50 Jahren.
Der erste fand im Jahr 2000 in New York statt, als sich der damalige US-Präsident Bill Clinton und Raul Castros Bruder, der langjährige Staatschef Fidel Castro, die Hände reichten.


Eine Frage für mich bleibt:
Sind solche historisch bedeutende und bewegende Momente wirklich immer ganz spontan oder eben doch "etwas" geplant?
Bei Barak Obama bin ich mir dessen eigentlich ziemlich sicher – er entscheidet oft aus dem Moment heraus. Aber wer weiss, vielleicht hat auch „Mandelas Geist“ noch mitgespielt.






 :)

Sonntag, 8. Dezember 2013

De Samichlaus wot nüm so recht / Der Nikolaus will nicht mehr so recht







De Samichlaus wot nüm so recht
E wieteri Gschicht us mina Läsiga im Altersheim



Hinweis
Eine für alle verständliche Übersetzung findet ihr im Anschluss!

Amena chalta, gruusiga Morga sitzt de Samichlaus in sim warma, gmütlicha Stübli. D'Uhr an dr Wand hät gliechmässig „Tick-Tack“ gmacht und uf em Kalender danäba, chama gseh, dass morn de 6. Dezember isch, also de Samichlaustag.
Im Stall näba dra stoht sis Eseli und streckt dur es chlieses Fensterli sin Kopf ins Stübli vom Samichlaus.
Jo wüssender, de Samichlaus wär susch jo immer allai – und er wott doch au öppe mit sim brave Tierli chöna pläuderla.

Aber hüt isch im gar nit zum Pläuderla zmuet. Er hät sis dicka, grossa Buach uf de Chneu und blätteret und blätteret und schüttlet immer wieder de Chopf. Was stoht ächt in dem Buach, wo ihm so fäscht z'denka git?

In dem Buach hät er dur s'Johr dura, immer alles ufgschriba, wo är vo sina Chind erfahra hät. Ob si lieab gsi sind, ob sie em Mami und em Papi gfolget händ oder öb sie in dr Schuel guat ufpasst händ – halt eifach alles, was so en Samichlaus wüssa sött, wänn er zu de Chind goht.
Aber jetzt hät er halt schon viel gläsa, wo ihm gar nit gfallt.
Es dunkt ne, d'Chind heiget sich sit sim letschta Bsuach jo gar nüt bessert!
De Seppli wot em Obet no immer nit ins Bett, so das ds Mami mit ihm immer zerscht schimpfa muess. Defür isch er denn am Morga in dr Schuel müed, und schient's schriebt er no immer ganz wüescht ins Schualheft.
Und au s'Vreneli, sini Schwöster. Si tuet no immer umemuhla, wenn s'Mammi im e chlini Arbet git – zum Biespiel dr Tisch zdecka oder z'Zimmer ufzruma.
De Karl macht no immer mängisch d'Husufgabe nit und letzhin hät er sogar uf em Heimwäg sis Läsibuach verlore.
De Peter chunt immer wieder mit kaptttna Hose und Jacka heim vo der Schuel; statt, dass er zehrscht giengti, die schöna Chlaider go abzieh und defür Älteri azlegga.
Ach“, stöhnt jetzt de Samichlaus, „dia hütiga Chind händ eifach überhaupt kei Sorg meh zum Züg“.
Au köhrt me immer meh Chlaga, dass sie uf em Schuelwäg düend mitenand strieta und sie nüt Gschieders wüessend zmache, als die chlinera Chind zbloga.
Es dunkt de Samichlaus, es wärdi immer schlimmer mit dena Junga. Uf jeder Site in sim Buach sind immer wieder so ungfreuti Gschichta gschrieba. Kei Verglich mit frühner, do isch eifach no alles viel besser gsi.
De Samichlaus macht sis Buach zue und stützt ganz truurig de Chopf in d'Händ.

Eigentlich wär jetz höchsti Zit die guata Sacha grüschtet zmache. Im Chaschta sind scho viel chlini und grössari Säckli mit Nüss, Mandarinli und Schöggali dina. Auch d'Läbchuacha hät er bereits bachet und natürli hät er au d'Ruta scho zämabunda. Er söt di feina Sacha jetzt nur no in de Samichlaussack verpacka.

Aber jetz, wo er in sim Buach e chli gläsa hät, isch em Samichlaus d'Freud eifach verganga und er hät gar nümm recht Lust, zum zu de Chind zgo.
Es isch eso eifach nümma schön“ brummlat är missmuatig in sina Bart.
Immer meh muass i mit de Chinder schimpfa und nütza tuet jo sowieso meistens nüt.“
'I wett de Chind doch viel lieber e Freud mache, als ne mit de Fitza zdroha.
I möcht vo ihne lieber schöni Versli und Liedli losa – aber immer meh sind jo zful, überhaupt eis z'lehra. Sie wänd nur no mini Gschenkli und überhaupt – sie glauben jo gar nümma recht an de Samichlaus. In allna Heftli, im Fernseh und in de Läda häds jo scho, bevor ich chuma, scho so vil unächti Chläus ...
Nei das gfallt mer nümma! Ich glauba, ich blieba das Johr emol daheim.'
Gell Eseli, frühener isch es eba scho no besser gsi?“ 
S'Eseli, das seit aber nüt!

De Samichlaus hät no es Holzschietli ins Öfali gleit, sis Tubakpfiffli azünd und denn hät er sich's im grossa Lehnstuahl gmüetlich gmacht.
Was wärdet ächt d'Chind säga, wenn i nümma chuma?“ 
Dia Sach loht im glich kei Ruah!
Jo, viellicht merken sis bi dem Rummel wo hüt überall isch, io gar nit. 
Und susch gänd si sich viellicht de durs Johr dura e chli meh Müeh und, ich muess im nöchsta Johr weniger Chlaga in mis Buach ina schrieba.

Do chlöpfelets liesli ans Fensterli. Es Maisli stoht dussa und pöpperlet mit sim Schnäbbali ad Schiaba. Es hät sich ganz fescht ufplusteret und tanzt vo eim Bei uf's andera.
De Samichlaus machts Fensterli uf und ds Vögeli hüpft grad uf de Tisch.
Jo de chum halt inna! Möchtisch di e chli cho ufwärma, häsch sicher chalt? Und Hunger häsch denk au – luagdo häsch e chli Fuatter?“ 
Ds Vögeli pickt em Samichlaus dankbar es paar Chörnli us dr Hand.

Du, Samichlaus“, saits de, „in dem Hüsli am Waldrand – weisch döt woni ame e chli Brotbrösmali cha go hola – döt wohnend doch zwei Chind, de Fritzli unds Maiali.
Du, dene ihres Mami isch doch so fescht chrank.
Aber du söttisch einisch gseh, wie die zwei Daheim ganz tüchtig tüend helfa.
De Fritzli got go poschta und macht sogar am morga selber si Bett.
Und's Maiali hilft putza und es cha au scho e chli chocha.“
Jo, das ghöri gärn, liabs Maisli, das freut mi aber würklich“, sait druf de Samichlaus.

Kurz nochdem s'Vögeli wieder furtgfloga isch, chunt au no ds Eichhörnli zgumpa. Au für ins hät de Samichlaus öppis parat und streckt em es Nüssli hera.
Danka Samichlaus – brr, isch das chalt und grusig dussa“, und – scho isch s'Eichhörnli am chnabbara.
Weisch, Samichlaus“, seits denn zwüscha dura, „ich gohn doch öppa uf de grossi Nussbaum wo grad näb em Altersheim isch, gell.“ 
Waisch, du söttisch einisch ghöra, wie dia Chind döt in dr Spielgruppa herzigi Liedli und chlini Versli lehrend.
Mi ghört richtig, wie die sich uf di freuend, Samichlaus – und, wie die mit Begeisterig debi sind.
Und dia Kräia, gell, wo doch döt wohnt – die hät mer gseit, dass die Chind au gar nüm soviel düend stritte, sit si die neu Lehrerin händ. Es nähm si scho Wunder, wie dia das ächt fertigbrocht heig.“

Oh, Oh“, de Samichlaus isch ganz verwundert, „jo, das isch jo wunderbar – danka Eichhörnli, dass du miar das verzellt häsch. Do nümm no einisch es Nüssli.“

Churz druf aba chunt au no z'Müsli cho träbbala. Es schint, dass sich hüt – wills dussa so kalt isch – all sini Fründa bim Samichlaus wänd cho ufwärema.
Nochdem, dass es das Stückli Chäs, wo de Samichlaus bereit ka hät, ufgässea hät, seit z'Müsli:
Weisch Samichlaus, wenns dussa so kalt isch, denn blieb ich halt scho meh in mim Musahüsli. Döt, unter em Daheim vom Seppli und em Vreneli höckle ich denn ganz noch bim Musalöchli in der Chuchi, wills döt halt so schön warm isch. Und mängisch gheit jo au öppis Essbars uf de Chuchiboda und, de gseht mes jo grad, gell?“ 
De Samichlaus muess lache und nickt.

Also weisch Samichlaus, ich muess scho säga, dia zwei Chind döt, händ de scho Fortschritt gmacht in letschter Zit. De Seppli isch jetzt am Obet wie de Blitz im Bett, sit er das neua, schöna Nachttischlämpli hät – und, i han grad geschter ghört, dass au de Lehrer mit sinera Schrift viel besser zfrida isch.
Und au s'Vreneli isch ganz es liabs worda. Sie mulet gar nümma uma und und au ihres Zimmer rummt si jetzt tiptop uf, will öppa sini Schuelgspänli zu ihm chömed cho spiela.
Mängisch muess ma halt eifach e chli Geduld ha, bis die Chind e chli grösser sind, gell Samichlaus.“

De Samichlaus isch sprochlos. Er bedankt sich au bim Müsli ganz herzlich und git em no es Schniffeli Chäs mit uf de Heimwäg.
Tubakpfiffa isch inzüscha usganga, so gspannt hät er sine Bsuech zueglosat.
Also das hät i scho nit dänkt“, murmlet er in de wiess, lang Bart. 
Vielleicht isch jo alles gar nit so schlimm! Was meinsch du dezue, Eseli?“
S'Eseli nickt und meint: „Weisch Samichlaus, au du bisch jetz scho chli alt worda. Ich glauba, du häsch vergässa, dass d'Chind au frühner nit immer numa brav gsi sind. Luag einisch in dieni alta Bücher, wot no uf em Estrich häsch. I cha mi scho no erinnera, dass du döt näb em Erfreulicha, auch mängs Unerfreulichs ina geschriba häsch.
I glauba, du häsch scho recht, Eseli, i ha mi glaub do scho chli verrent. 
Es hät würkli scho immer Guats und Unguats gäh.
Früehner hani viellicht eifach s'Guata in de Chind meh gseh als Schlechti, und jetzt im Alter.....“
Jetzt muass i aber pressiera. D'Chind während sicher ganz fescht truurig, wenn i nüma würdi zu ihne cho, oder was meinsch du, Eseli. 
S'Eseli nickt mit em Chopf und macht es freudigs, J-aaaa.

© Copyright Herr Oter, Dezember 2013 









Der Nikolaus will nicht mehr so recht
Eine weitere Geschichte aus meinen Lesungen im Altersheim


An einem kalten, ungemütlichen Morgen, sitzt Nikolaus in seinem warmen, gemütlichen Stübchen.
Die Uhr an der Wand macht gleichmässig „Tick-Tack“ und auf dem Kalender daneben ist zu sehen, dass der 6. Dezember, also der Nikolaustag, schon morgen da sein wird.

Im Stall nebenan steht sein Esel und streckt seinen Kopf durch ein kleines Fensterchen ins Stübchen des Nikolaus. Ja, wisst ihr, der Nikolaus wäre sonst ja immer alleine – und er möchte doch auch ab und zu mit seinem braven Tierchen plaudern.

Aber am heutigen Tag ist ihm überhaupt nicht ums Plaudern zu Mute. Er hat sein dickes, grosses Buch auf den Knien und blättert und blättert und dazu schüttelt er immer wieder den Kopf. Was mag in dem Buch stehen, das ihm so sehr zu Denken gibt?
In diesem Buch hat er während des ganzen Jahres immer alles aufgeschrieben, das er über „seine“ Kinder erfahren hat. Ob sie lieb waren, ob sie Mutter und Vater gehorchten oder ob sie in der Schule gut aufgepasst haben – halt einfach alles, was so ein Nikolaus wissen sollte, wenn er die Kinder besucht.

Aber nun hat er viel gelesen, das ihm gar nicht gefällt.
Es scheint ihm, als ob sich die Kinder seit seinem letzten Besuch gar nicht gebessert hätten.
Der Seppli will am Abend noch immer nicht ins Bett, ohne, dass die Mutter mit ihm zuerst schimpfen muss.
Dafür ist er dann morgens in der Schule müde und ins Schulheft soll er auch noch immer liederlich schreiben.
Auch Vreneli, seine Schwester, widerspricht noch immer, wenn ihm seine Mutter eine kleine Aufgabe überträgt, zum Beispiel den Tisch zu decken oder in ihrem Zimmer Ordnung zu schaffen.
Karl macht seine Hausaufgaben auch noch nicht immer und kürzlich hat er sogar sein Lesebuch auf dem Heimweg verloren.
Peter kommt mit zerrissenen Hosen und Jacken von der Schule nach Hause, anstatt zuerst die schönen Kleider abzulegen und Ältere anzuziehen. 
Ach“, stöhnt nun der Samiklaus, „diese heutigen Kinder tragen zu ihren Sachen einfach keine Sorge mehr.“ 
Auch hört man immer öfter Klagen, dass sie auf dem Schulweg immer wieder streiten und nichts Gescheiteres zu tun wissen, als die Kleineren zu plagen.
Es kommt dem Nikolaus vor, als ob es mit der heutigen Jugend immer schlimmer würde. Auf jeder Seite in seinem Buch sind immer wieder solche unschönen Geschichten aufgeschrieben. Kein Vergleich mehr mit früher, da war einfach alles noch viel besser.

Der Nikolaus schliesst sein Buch und stützt traurig seinen Kopf auf die Hände.
Eigentlich wäre es jetzt höchste Zeit, die guten Sachen bereit zu machen. Im Schrank gibt es bereits viele kleinere und grössere Säckchen mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade. Auch die Lebkuchen hat er bereits gebacken und natürlich auch die Rute zusammengebunden. All die feinen Sachen sollte er nun aber noch in den Samiklaussack packen.

Doch seit er in seinem Buch gelesen hat, ist dem Samiklaus die Freude einfach vergangen und er hat gar keine Lust mehr, die Kinder zu besuchen. 
So ist es einfach nicht mehr schön“, brummelt er missmutig in seinen Bart. 
Immer öfter muss ich mit den Kindern schimpfen und dann nützt es erst noch meistens nichts. Viel lieber möchte ich den Kindern eine Freude machen, anstatt ihnen mit der Rute zu drohen. Ich würde von ihnen auch lieber schöne Verse und Lieder hören, aber immer mehr Kinder sind zu faul, um welche zu lernen.“
'Sie wollen bloss noch meine Geschenke – und überhaupt, sie glauben ja gar nicht mehr an den Samiklaus. In den Zeitschriften, im Fernsehen und in den Geschäften sind ja, schon lange bevor ich komme, so viele unechte Kläuse zu sehen. Nein, das gefällt mir nicht mehr. Ich denke, dass ich in diesem Jahr lieber Zuhause bleibe.'

Findest du nicht auch, dass früher alles besser war, Eseli? 
Doch das Eseli sagt nichts dazu.....

Nikolaus legt noch Holz im kleinen Ofen nach, zündet seine Backpfeife an und macht es sich im grossen Lehnstuhl gemütlich.
'Was werden die Kinder sagen, wenn ich in diesem Jahr nicht komme?'
Die Sache lässt im doch keine Ruhe.
'Ach, vielleicht merken sie es bei dem heutigen Rummel ja gar nicht und sonst geben sie sich möglicherweise während des Jahres etwas mehr Mühe, so, dass ich im nächsten Jahr etwas weniger Klagen in mein Buch notieren muss.'

Da klopft es leise an das Fenster. Eine Maise steht draussen und pocht mit seinem Schnabel an die Glasscheibe.
Sie hat sich stark aufgeplustert und tanzt von einem Bein auf das andere.
Der Samiklaus öffnet das Fenster und das Vögelchen hüpft geradewegs auf den Tisch.
Dann komm doch herein! Möchtest du dich ein bisschen aufwärmen, du hast sicher kalt? Und Hunger hast du sicher auch – schau hier hast du etwas Futter.
Das Vögelchen pickt dankbar ein paar Körner aus seiner Hand.

Du, Samiklaus“, sagt es dann, „in dem Häuschen am Waldrand – du weisst doch, dort wo ich manchmal ein paar Brosamen holen kann – dort wohnen doch zwei Kinder, der Fritzli und das Meieli.“
Du, deren Mutter ist doch ganz fest krank. Aber du solltest einmal sehen, wie die beiden Zuhause tüchtig helfen. 
Fritzli geht einkaufen und macht am morgen sogar sein Bett selber. Und Meieli hilft beim Putzen und es kann sogar bereits ein bisschen kochen.“
 Das höre ich gerne, liebe Meise, das freut mich wirklich“, sagt daraufhin der Nikolaus.

Kurz nachdem das Vögelchen wieder fortgeflogen ist, hüpft auch noch das Eichhörnchen daher. Auch für das, hält der Nikolaus etwas bereit und streckte ihm eine kleine Nuss entgegen. 
Danke Samiklaus – brr draussen ist es aber kalt und garstig“, und, bereits ist das Eichhörnchen am knabbern. 
Weisst du Nikolaus“, sagt es zwischendurch, „ich gehe doch manchmal auf den grossen Nussbaum, der gerade neben dem Altersheim steht. 
Du solltest einmal hören, wie die Kinder der Spielgruppe dort liebevolle Lieder und kleine Verse lernen. Man hört richtig wie sie sich auf dich freuen, Nikolaus, und wie sie voller Begeisterung mitmachen.
Zudem sagte mir letzthin die Krähe, die dort wohnt, dass die Kinder auch nicht mehr so oft streiten, seit sie eine neue Lehrerin haben. Es wundere sie, wie die das zustande habe.“
Oh, oh“, der Nikolaus ist ganz verwundert, „ja, das ist ja wunderbar.“
Ich danke dir, Eichhörnchen, dass du mir das erzählt hast. Da, nimm noch ein Nüsschen.“ 

Kurz danach trippelt auch noch das Mäuschen daher.
Es scheint, dass sich heute, weil es draussen so kalt ist, alle seine Freunde beim Nikolaus aufwärmen wollen.
Nachdem es das Stückchen Käse, das der Nikolaus extra bereit hielt, aufgegessen hatte, sagte das Mäuschen:
„Weisst du Nikolaus, wenn es draussen so kalt ist, dann bleibe ich schon gerne in meinem Mäusehaus.“ „Dort, unter dem Zuhause vom Seppli und dem Vreneli sitze ich dann ganz nahe beim Mäuseloch in der Küche, weil es dort so schön warm ist. Manchmal fällt ja auch etwas Essbares auf den Küchenboden und dann sieht man es auch sofort, nicht war?“
Der Nikolaus muss lachen und nickt. 
Also, weisst du Nikolaus, ich muss schon sagen, dass die beiden Kinder in letzter Zeit sehr grosse Fortschritte gemacht haben. Der Seppli ist jetzt jeden Abend wie ein Blitz im Bett, seit er die neue, schöne Nachttischlampe besitzt – und, ich habe gerade gestern gehört, dass auch der Lehrer mit seiner Schrift jetzt viel besser zufrieden ist. Und auch Vreneli ist ganz brav geworden. Sie widerspricht nicht mehr und auch ihr Zimmer ist jetzt ordentlich aufgeräumt, seit ihre Schulfreundinnen manchmal nachmittags, zu ihr zum Spielen kommen.
Oftmals braucht es einfach ein wenig Geduld, bis die Kinder etwas grösser sind, nicht war Nikolaus?“

Der Nikolaus ist sprachlos. Er bedankt sich auch beim Mäuschen ganz herzlich und gibt im noch ein Stückchen Käse mit auf den Heimweg.
Die Backpfeife ist inzwischen erkaltet, so gespannt hatte er den Besuchern zugehört.
Also, das hätte ich schon nie gedacht“, murmelt er in den weissen, langen Bart. „Vielleicht ist ja alles doch nicht so schlimm!“
Was meinst du dazu, Eseli?“
Das Eseli nickt und meint: „Weisst du Nikolaus, auch du bist inzwischen etwas alt geworden.“ „Ich glaube, dass du vergessen hast, dass die Kinder auch früher nicht immer nur brav waren. Schau einmal in deine alten Bücher, die noch auf dem Dachboden liegen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass du bereits damals nebst dem Erfreulichen auch immer Unerfreuliches hinein schreiben musstest.“
Ja, ich denke du hast recht, Eseli! Es hat wirklich schon immer Gutes und Schlechtes gegeben. Früher habe ich vielleicht bei den Kindern eher das Gute gesehen, weniger das Schlechte – und jetzt im Alter.....
Nun muss ich mich aber beeilen. Denn die Kinder wären sicher stark traurig, wenn ich nicht mehr zu ihnen kommen würde.“
Oder, was meinst du dazu, Eseli?“ 
Das Eseli nickt mit dem Kopf und macht freudig: „J-aaaa“.

© Copyright Herr Oter, Dezember 2013








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