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Donnerstag, 31. Mai 2012






Wir sind zu allem fähig, aber manchmal,
zu nichts zu gebrauchen

(Spruch)



;)


Mittwoch, 30. Mai 2012




Glück

Glück
ist eine stille Stunde
Glück
ist auch ein gutes Buch
Glück
ist Spaß in froher Runde
Glück
ist freundlicher Besuch.
Glück
ist niemals ortsgebunden
Glück
kennt keine Jahreszeit
Glück
hat immer der gefunden
der sich seines Lebens freut.

Clemens von Brentano

(1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz) bis 1842 in Aschaffenburg) war ein deutscher Schriftsteller und neben Achim von Arnim der Hauptvertreter der sogenannten Heidelberger Romantik.


:)

Dienstag, 29. Mai 2012

Teil 2 von: Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?





Wann beginnt eigentlich ein Seitensprung?
Teil 2 von: Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?

Vielleicht kommt sie ja auch heute wieder etwas früher, denkt Thomas und streckt ungeduldig den Hals, damit er etwas weiter, als nur bis zur Wegbiegung sehen kann. Aber von Sybille, seiner Laufpartnerin, ist noch weit und breit nichts auszumachen.
Thomas ist extra etwas früher zum vereinbarten Treffpunkt beim offenen Waldarbeiterunterstand gekommen, weil Sybille in den letzten Tagen immer bereits schon hier war und auf ihn gewartet hatte. Ihm ist es ja durchaus angenehm, wenn sie etwas mehr Zeit zum gemeinsamen Wandern haben. Denn Zeit hat er ja genug und schon oft sind sie vor lauter Trödeln und Tratschen, diversen Umwegen oder nicht enden wollenden Gesprächen, etwas spät vom Rundgang zurückgekommen.
Doch vom Schönen bekommt man halt nie genug, denkt Thomas und ein leises Lächeln huscht über sein sauber rasiertes Gesicht.

Thomas hat seit Tagen eine ausgesprochen gute Gefühlslage und das hat eindeutig nur mit Sybille zu tun. Seit Wochen ist sie ihm ab und zu begegnet und nicht ganz ohne sein Zutun und seinem Zeitmanagement wurde immer etwas mehr Absicht aus dem Zufälligen.
Doch damit hat Thomas zu Beginn gar nicht rechnen dürfen. Er wagte anfangs nicht einmal, sich irgendwelche Hoffnungen darüber zu machen, dass ihn diese nette Frau — die in schlichten Kleidern und mit schnellen Schritten, fast etwas scheu durch den Wald marschierte — auch nur beachten würde. Die Aussichten waren mehr als hoffnungslos und trotzdem wurde er von Anfang an, wie mit einem Magnet von ihr angezogen und mit der Zeit ging er nur noch auf der Südseite mit seinem Hund spazieren — in der Hoffnung, vielleicht doch wieder auf sie zu stossen.
Auch schien es ihm noch vor kurzem undenkbar, dass so eine junge Frau — die ja seine Tochter hätte sein können — mit ihm reden, geschweige denn laufen würde, auch wenn sie ihn jedes mal freundlich grüsste und dabei anlächelte. Und was für ein Lächeln, das ging ihm durch Mark und Bein, ganz hinunter und gerade nochmals hinauf. Ja, sie machte ihn beinahe etwas „wuschig“.
Alleine die Vorstellung, mit ihr gemeinsam durch die Wälder zu streifen, versetzte ihn dann den ganzen Tag über in ein Hochgefühl.

Aber es ist nicht eine körperliche Anziehungskraft die seine Fantasie beflügelt - denn das ist ihm im Gegensatz zu früher, in den letzten Jahren zu einem immer weniger wichtigen Bedürfnis geworden. Zudem ist er in puncto Erotik, Zuhause bei seiner Partnerin bestens aufgehoben.
Nein, es ist der immer grösser werdende Wunsch nach Begleitung, Abwechslung und guten Gesprächen. Er spürt zunehmend eine innere Einsamkeit, die sich manchmal wie eine kalte Faust um sein Herz schliesst. Immer öfter befällt ihn eine tiefe Sehnsucht nach einer richtig guten Freundschaft.
Oder, macht er sich bei ihr vielleicht ganz unbewusst die Hoffnung, dass sie seine, bei der Geburt verstorbene Tochter, würde wenigstens etwas ersetzen können? Die wären ja etwa gleich alt und so ganz hat er diese Tragödie, obschon er noch zwei tolle Söhne hat, nie verkraften können. Manchmal war er überzeugt, dass eine Tochter noch heute für ihn da wäre, als Bindeglied zur Familie sozusagen. Die Töchter bleiben immer dem Vater, die Söhne eher der Mutter, sagt man doch, oder?

Jedenfalls ist es ihm gar nicht unangenehm, dass es nun eine Frau ist, die diesem aufkeimenden Wunsch nach einer soliden Freundschaft gerecht wird.
Denn, er kann mit Frauen einfach besser umgehen und schon immer hat er auch lieber mit Frauen zusammengearbeitet. Das geklappt einfach besser als mit den Männern, deren Macho-Gehabe er nicht ausstehen kann.
Auch kommt er mit Frauen komischerweise viel eher ins Gespräch und kennt sich darum in deren bevorzugten Themen besser aus, als bei den üblichen Männer-Diskussionen über Autos, Fussball, Militär und damals flachgelegten Frauen. Ein „Frauenversteher“ sei er halt, hat man ihm auch schon gesagt, aber dieses Wort mag er gar nicht.
Aus seiner Sicht sind Frauen in ihren Haltungen einfach oft viel diplomatischer und kompromissbereiter — wenigstens die meisten –  oder die Reiferen oder einfach die, die nicht um jeden Preis "ihren Mann stellen" wollen.
Auch hat er oft die Erfahrung gemacht, dass gemischtgeschlechtlicher Gedankenaustausch meistens spannender und lehrreicher ist, weil die Diskussionspunkte aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln eingebracht werden. Auch beim Philosophieren im monatlichen Café Philo schätzt er es, dass immer einige Frauen mit dabei sind. Und wenn es beim Debattieren dann noch etwas knistert, findet Thomas, gibt das dem Ganzen doch erst das richtige Feuer und gleichzeitig verhindert die grössere weibliche Diplomatie, dass sich die Fronten verhärten.

Aber natürlich birgt eine innige Freundschaft mit dem andere Geschlecht auch gewisse Gefahren in sich. Das mehr daraus entstehen kann, dessen ist er sich voll bewusst. Es gibt sogar nicht wenige die behaupten, dass Hetero-Freundschaften gar nicht möglich sind, ohne, dass der eine mehr vom anderen will.
Aber diese Gefahr scheint ihm bei Sybille berechenbar. Denn einer möglichen Verliebtheit seinerseits, steht für ihn ganz klar ihre Jugendlichkeit im Weg.
Er ist sich bewusst, das es sich bei einer körperlichen Annäherung höchstens um eine zeitlich begrenzte Affäre würde handeln können und dafür ist ihm seine langjährige Beziehung zu seiner zwar fast gleichalterigen, aber dennoch sehr attraktiven Lebens-Partnerin zu schade. Auch würde er, davon ist er überzeugt, bei einem Liebesverhältnis bloss eine Partnerschaft gegen eine andere austauschen und damit vermutlich, die vielleicht neu gewonnene und lange ersehnte Freundschaft mit Sybille gleich wieder kaputt machen. „Liebe zerstört Freundschaft“, sagt doch der Volksmund. Das aber, konnte für ihn doch langfristig kein Zugewinn sein. Sondern vermutlich eher ein schlechter Tausch, denn als "Liebhaber" kann er mit seinen bald fünfundsechzig Jahren langfristig doch sowieso nicht mit ihrem dreissig Jahre jüngeren Mann konkurrieren.
Aber als väterlicher Freund kann er ihr vielleicht durch seine Lebenserfahrung, seine Gelassenheit und seine etwas anderen Ansichten doch etwas Attraktives bieten. Denn das ist ihm schon noch wichtig, dass in einer ausgeglichenen Freundschaft jeder vom anderen profitieren kann. Er von ihrer spritzigen Jugendlichkeit, sie von seiner Altersweisheit.

Aber eben, würde es auch für Sybille bei einer zwar innigen, aber dennoch begrenzten Freundschaft bleiben?
Dass sie sich in letzter Zeit etwas verändert hat, mit ihrem Äusseren und bestimmten Bemerkungen ihre gewachsene Sympathie zu ihm durchblicken lässt, das ist ihm schon auch aufgefallen. Aber er wollte sie bisher noch nicht stoppen — zu schön ist dieses mystische Spiel des Flirtens, zu sehr streicheln ihre warmen Blicke seine Seele und zu gross ist die Angst, dass sie einen Rückzieher machen könnte. Aber, dass er das Thema ansprechen muss, das ist ihm ganz klar und eigentlich hat er es sich bereits für heute vorgenommen. Noch bevor es auch ihm den Ärmel ganz hineinnimmt und er die Distanz oder die Kraft für einen Stopp nicht mehr hat. Er ist der Ältere, er muss der Vernünftigere sein und er hat ganz klare Grenzen zu ziehen und Abmachungen einzufordern.

Ein Blick auf die Uhr zeigt ihm, dass die vereinbarte Stunde bereits klar überschritten ist.
Vielleicht ist ja etwas dazwischen gekommen und nun bedauert er bereits, dass er ihr nicht seine Mobiltelefon-Nummer gegeben hat. Aber gerade das ist ihm bisher zu persönlich gewesen, wenigstens vorläufig.
Zudem, wie soll er diese neue Bekanntschaft seiner Partnerin erklären, wenn Sybille ihn in ihrem Beisein anrufen würde oder er ein schellendes Telefon einfach nicht beantwortet?
Seine Liebste ist manchmal sonst schon ziemlich empfindlich wenn er seine Mail-Kontakte zu offensichtlich pflegt oder zu häufig in ihrem Beisein twittert. So ein heikles Gespräch würde sowieso nicht einfach, denn bei schwierigen Themen wie ihre Beziehung, den jeweiligen Kindern oder anderen delikaten Diskussionen ist sie doch ziemlich introvertiert.

Aber manchmal ist er ja selber ziemlich unsicher darüber, ob er seine Partnerin bereits betrügt, wenn er mit Sybille ohne ihr Wissen täglich eine Stunde harmlos gemeinsam durch den Wald spaziert oder wenn dabei halt auch ziemlich Persönliches aus ihrer Beziehung zur Sprache kommt.
Er hat sich schon oft besorgt gefragt, ob man seinen Partner in Gedanken betrügen kann?
Wann beginnt ein Seitensprung eigentlich? Ab wann betrügt man? Bereits beim Denken, beim Flirten, mit Briefen, bei heimlichen Treffen mit tabulosen Gesprächen oder erst beim offensichtlichen Begehren und wenn es körperlich Intim wird?

Bei seinem ehemaligen Freund hatte er sich darüber gar nie Gedanken gemacht. Vermutlich einfach, weil der ein Mann war und ein Seitensprung gar nicht in Betracht gezogen wurde, von niemandem. Gegenseitig hat man gedankenlos über seine Ehefrauen geredet, mal geschwärmt, öfter geklagt. Dass die dabei ausgeplauderten Eheprobleme bereits eine Verletzung des gegenseitigen ehelichen Vertrauens darstellen würde, oder, dass daraus Konsequenzen entstehen könnten, darauf ist Thomas damals gar nicht gekommen.
Doch auch daraus hat er gelehrt. Denn solche ausgeplauderten Intimitäten können einem später zünftig schmerzen, wenn sie wie ein Bumerang, einem selber wieder treffen. Auch den besten Freunden ist nicht immer zu trauen, musste er sich damals eingestehen.

Etwas sorgenvoll blickt Thomas auf seinen Hund, der nach einer Maus gräbt und heftig schnaubend fast zur Hälfte kopfvoran im Erdloch verschwunden ist.
Warum erinnert er sich jetzt plötzlich an den betörenden Körpergeruch von Sybille, den er gestern, zusammen mit einer Spur eines lieblichen Parfüms in einer sinnlichen Mischung wahr genommen hat, als sie sich zufällig beide gleichzeitig zum Hund bückten, als dieser jaulend aufschrie, weil ihn sein rheumatisches Hüftgelenk schmerzte.

Ein Schatten legt sich plötzlich auf die Seele von Thomas. Eisige Kälte und der bekannte innere Schmerz breiten sich aus. Sind es die, wieder einmal aufgetauchten Erinnerungen von früher, die Thomas gerade hinunterziehen wollen? Oder ist es die plötzliche Erkenntnis, dass Sybille vermutlich nicht mehr kommt?

Doch Thomas will jetzt nicht, wie sein Hund zu grübeln beginnen und dabei riskieren, dass dabei auch er den Kopf in den Sand steckt, wie er das gerne tut, wenn etwas Unangenehmes auf ihn zu kommt
Bewusst dreht er sich der immer höher am Himmel stehenden Sonne entgegen und beobachtet zur Ablenkung interessiert, wie zwei Pferde von oben her auf dem Fahrweg auf ihn zureiten. Synchron und rhythmisch schieben dabei die beiden aufrecht sitzenden Reiterinnen ihre Becken auf den Pferderücken vor und zurück. Einer Welle gleich setzt sich diese Bewegung durch den Oberkörper fort und endet in einem ständigen Nicken mit dem Kopf. Thomas fragt sich dabei, ob man bei diesem steilen Gelände nicht besser absteigen sollte.

"Komm Hund", sagt Thomas mit einem unterdrückten Seufzen, "das war wohl wieder einmal nichts. Schade, wirklich schade. Aber deswegen lassen wir uns den Spaziergang nicht entgehen – stimmt's mein alter Freund?"
Etwas widerwillig, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven, setzen sich die Beiden in Bewegung und wandern den sonnenbeschienen, ansteigenden Fahrweg hinauf. Der entschwindende penetrante Pferdeduft und der Pferdemisthaufen auf der linken Strassenseite erinnern an die beiden Reiterinnen von vorhin, vielleicht sind sie ja "Beste Freundinnen".

©® Copyright by Herr Oter





Liebe Leserin, lieber Leser:
Wann beginnt eigentlich ein Seitensprung? Beim Denken, beim Flirten, mit Briefen, bei heimlichen Treffen oder erst beim Begehren und wenn's körperlich Intim wird?

Eure Meinung interessiert mich und könnte für den dritten Teil der Geschichte einen entscheidenden Einfluss haben.

Freitag, 25. Mai 2012







Fallen ist weder gefährlich noch eine Schande.
Liegenbleiben ist beides.

(Konrad Adenauer)




:)

Donnerstag, 24. Mai 2012





Epikur sagt:
„Von allem, was die Weisheit 
für die Glückseligkeit des Lebens bereitstellt,
ist das weitaus Grösste, 
der Erwerb der Freundschaft.“



:)

Mittwoch, 23. Mai 2012




„Die Liebe 
geht darauf aus, 
aus zweien 
eins zu machen, 
die Freundschaft hingegen darauf, 
aus jedem zwei zu machen.“ 
(Schleiermacher)

Anmerkung: Passend zum Post von gestern!



Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher 
21. November 1768, (Breslau) bis 12. Februar 1834, (Berlin)

war protestantischer Theologe, Altphilologe, Philosoph, Publizist, Staatstheoretiker, Kirchenpolitiker und Pädagoge. Quelle: Wikipedia


:)

Dienstag, 22. Mai 2012

Teil 1: Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?








Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?

Schwacher Pferdegeruch hängt zwischen den taufeuchten Tannenästen und auf dem nassen Waldweg sind die Abdrücke von Pferdehufen auszumachen. Ausser einer Maus – oder ist es doch ein junges Eichhörnchen gewesen, das vorhin verschreckt einen Baumstamm hinauf gerannt ist – sind Sybille jedoch keine weiteren Tiere begegnet. Auch die drei Rehe, die sie sonst fast täglich, während ihres Waldspazierganges irgendwo in einem Hang oder im Geäst ausmacht, hat sie bisher noch nicht erspäht. Doch, wie der Jagdaufseher letzthin meinte, könnte das Muttertier in den letzten Tagen auch bereits etwas abseits im dichten Unterholz ihre neuen Kitze gesetzt haben. Dann hätten sich auch ihre beiden Ricken aus dem Wurf vom letzten Jahr aus dem elterlichen Heimgebiet entfernt, um erst im Spätherbst wieder zur Mutter zurückzukehren, damit sie gemeinsam den Winter verbringen können.

Sybille erkennt, dass es zwei Reiter gewesen sein müssen, die vor kurzem, ihr voraus auf diesem schmalen Pfad entlang geritten sind.
Sie jedoch ist wie früher, wieder alleine unterwegs auf ihrem täglichen Spaziergang durch den Mischwald auf der südlichen Seite des idyllischen Städtchens. Sie hat heute Morgen auch – obschon sie absichtlich eine gute halbe Stunde früher aus dem Haus gegangen ist – nach der kleinen Brücke am Waldrand, den direkten, steileren Weg gewählt, damit sie ihm nicht doch noch begegnet, falls er verfrüht schon bei der Waldhütte auf sie wartet.
Denn ihre Entscheidung steht fest und wenn es sie auch etwas schmerzt, so ist es sicher vernünftiger, wenn sie in Zukunft wieder ohne ihn Laufen geht.
Jahrelang ist es ja auch ohne Begleitung gegangen und sie kann es auch geniessen, nur mit sich zu laufen. Aber immer öfter hat sie sich zwischendurch auch mal eine Begleitung gewünscht. Auch spürt sie manchmal eine kleine Eifersucht, wenn sie andere zu zweit oder zu dritt, schwatzend und lachend ihr entgegenkommen sieht. Aber irgendwie hat sie den Anschluss an eine dieser Frauengruppen einfach nicht geschafft. Vielleicht hat es mit ihrem Alter zu tun oder weil sie nicht von hier ist.

Sybille geht rasch und versucht nicht an ihn zu denken, aber es gelingt ihr nicht. Ihre Gedanken kreisen ständig um ihn und um ihre Begegnungen während den letzten drei, vier Wochen. Wie kurzweilig und abwechslungsreich sind ihre Waldspaziergänge doch plötzlich geworden, als sie zusammen gelaufen sind. Sie haben sich so gut verstanden und hatten sich immer soviel zu erzählen, dass sie kaum gemerkt hat, wie schnell so ein Vormittag verflogen ist und oft muss sie etwas verspätet nach Hause eilen, damit die Morgenarbeit erledigt und das Mittagessen rechtzeitig auf den Tisch kommt.
Erst traf man sich nur ab und zu und rein zufällig. Aus einem kurzen „Hallo“ wurde jedoch mit der Zeit ein „ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“ und dann schon bald ein verbindlicheres „Hallo, wie geht's ?“. Dabei konnte man etwas stehen bleiben und ein paar Worte über das Wetter, den Hund oder die Wildbeobachtungen austauschen. Mit der Zeit achtete sie dann darauf, dass sie immer zur selben Stunde und auch häufiger auf der südlichen Hangseite laufen ging.
„Ihm sei es genau gleich ergangen“, hat er später einmal mal lachend gestanden und so traf man sich mit der Zeit unweigerlich fast täglich scheinbar zufällig und doch gewollt. Bis man begann, sich für den nächsten Tag beim Unterstand der Waldarbeiter zu verabreden. Denn man könne doch gleich... und von Anfang an... wenn man sich doch sowieso immer... und zudem mache es doch mehr Spass zusammen.
Das war doch nichts als logisch, oder?
So wurden ihre gemeinsamen Spaziergänge zu einem täglichen Ritual, ausser am Samstag und am Sonntag, denn dann waren seine Kinder und beider Partner Zuhause und da ging es natürlich nicht.

Sybille ist inzwischen oben angelangt und nimmt nun in einem grossen Bogen den linken Waldweg, um auf der anderen Seite des Baches wieder ins Städtchen zu gelangen. Dabei kreuzt sie den Fitnessparcours beim Übungsplatz 7, der mit dem Reck. Gewohnheitsmässig hängt sie sich für einen Moment an eine der beiden Metall-Stangen, aber kraftlos lässt sie sich schnell wieder fallen. Auch für die Dehnübungen, die sie hier normalerweise macht und die sie in letzter Zeit ebenfalls vernachlässigt hat, findet sie heute nicht die nötige innere Ruhe. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass die Zeiger unweigerlich auf die mit ihm abgemachte Stunde zugehen.

Sybille setzt sich einige Meter weiter vorne, für einen Moment auf den Baumstrunk, der wie ein Thron in einer sonnenbeschienen Baumlichtung steht. Das ist ihr Lieblingsplatz und schon oft hat sie hier gesessen um Probleme zu zerlegen oder den Gedanken einfach freien Lauf zulassen.

Die Treffen mit ihm wurden ihr immer wichtiger, stellt Sybille fest. Denn sie kann sich perfekt mit ihm austauschen. Er nimmt sie ernst, wo sich ihr Partner verweigerte, er kann gut zuhören, aber auch sinnvoll reden. Er ist belesen, klug und hat natürlich mehr Lebenserfahrung als sie, denn vom Alter her, könnte er auch ihr Vater sein. Bei ihm fühlt sie sich gut aufgehoben. Eigentlich eine perfekte Freundschaft.
Aber, er ist ein Mann!
Schon bald hat sie bemerkt, dass sie nun auch zum Laufen vermehrt auf ihr Aussehen und ihre Kleidung achtet, während sie früher die ältesten Klamotten in den Wald anzog und sich erst nach dem Waldspaziergang duschte und aufhübschte. Zudem drängte sich dieser Mann zunehmend auch während des Tages zwischen ihre Gedanken. Das macht ihr Angst. Was könnte daraus entstehen?

Bleibt es bei einer Laufbekanntschaft? Sich traut sie das zu, aber was ist mit ihm?
Ist es möglich, dass ein Mann und eine Frau "nur" befreundet sein können, fragt sie sich?
Gibt es die reine Freundschaft zwischen Mann und Frau überhaupt, so wie sie unter Frauen oder Männern möglich ist oder wird daraus nicht immer – zumindest mit der Zeit und vielleicht auch nur von einer Seite – Liebe? Ist zwischen den Geschlechtern nicht immer auch Begehren mit im Spiel?

Sybille will das nicht. Sie hat einen Partner, den sie liebt und sie will nicht, dass aus dieser Lauf-Gemeinschaft mehr entsteht. Sie will ihre Partnerschaft nicht aufs Spiel setzen, sondern möchte einfach ab und zu mit jemandem laufen und sich dabei gut unterhalten! Nichts weiteres soll daraus entstehen.
Aber ist das möglich mit einem Mann? Traut sie ihm das zu? Traut sie sich selber das überhaupt zu?

Sybille ist hin und her gerissen. Sie weiss einfach nicht, wie sie sich verhalten soll. Am Morgen war sie sich noch so sicher und nun zweifelt sie bereits wieder an Ihrer Entscheidung.
Sie steht mit einem Ruck auf und nimmt den Rest des Weges unter die Füsse.
Kurze Zeit später sieht sie hinüber zur Waldhütte – ihrem Treffpunkt.
Daneben steht ein älterer Mann mit seinem kleinen Hündchen und wartet noch immer auf sie.

©® Copyright by Herr Oter



Liebe Leser:
Ist eine reine Freundschaft zwischen Mann und Frau, so wie sie Sybille vorschwebt, überhaupt möglich – oder ist immer mehr im Spiel?
Eure Meinung interessiert mich und je nach dem, könnte es eine Fortsetzung der Geschichte geben.



.)

Montag, 21. Mai 2012




Manchmal vermag uns 
ein durch den Asphalt
brechender Löwenzahn 

die tägliche Frage nach
dem Sinn des Lebens eindrücklicher und

überzeugender zu beantworten,
als eine ganze Bibliothek
philosophischer Schriften.


Thornton Wilder
US-amerikanischer Erzähler und Dramatiker
1897 - 1975




:)

Sonntag, 20. Mai 2012








Das Wasser 
nimmt nicht mehr
Platz in der Schale ein, 
als es bedarf!
KONFUZIUS




:)

Freitag, 18. Mai 2012






Wer immer nur tut, was er schon kann,
wird immer bleiben, was er schon ist.





:)